"Turn Round", 2009 ist eine 12-teilige Porträtreihe zum Thema Alter. Über die Gesichter zieht sich eine gerasterte Unschärfe.

„ ...Simone Demandts Interesse an der Fotografie zielt von Anfang an darauf ab, die dem Medium zugeschriebene objektive Wiedergabe der Realität mithilfe unterschiedlichster fototechnischer und bildnerischer Strategien immer wieder zu unterlaufen.

Für ihre Bildnisse setzt sie entweder die Methode der Inszenierung oder besondere, von ihr entwickelte experimentelle fotografische Techniken ein, um das Motiv zu verfremden. Durch diese besondere Herangehensweise stellt Simone Demandt den Repräsentationsanspruch eines Porträts stets aufs Neue in Frage.

Mit ihrer Serie Turn round setzt sich die Künstlerin mit dem Thema Alter auseinander. Die durchweg als Brustbild aufgenommenen männlichen und weiblichen Personen haben ihren Blick leicht vom Betrachter abgewandt. Auch hier wird die unmittelbare Wahrnehmung der Gesichtszüge durch eine Unschärfe verweigert. Simone Demandt greift für diese Serie auf eine bereits 1999 in der Arbeit Birnenesser entwickelte Methode zurück. Bei diesen Aufnahmen hatte sie ihre Kamera besonders präpariert. Die Künstlerin fixierte im Filmmagazin der Fachkamera eine mit Etiketten bestückte Folie direkt vor dem Film. Größe und Farbe der Etiketten sind nicht einheitlich, sondern variieren von Porträt zu Porträt. Wie ein Schleier überzieht das rasterartige Muster die gesamte Bildfläche und schiebt sich vor das Gesicht. Wie in Kein Kinderspiel verweigert auch diese Serie eine intensive Befragung des Bildes hinsichtlich des persönlichen Ausdrucks. Es geht nicht mehr um die Wiedergabe einer konkreten Person, sondern vielmehr um die Darstellung einer spezifischen Gruppe. Während die Künstlerin jedoch einerseits die Gesichter der alten Menschen ihrer Individualität beraubt, verleiht sie ihnen auf der zweiten Bildebene, durch die Variation des Etikettenmusters, wiederum eine ›persönliche Note‹. Respektvoll, ohne dabei die Grenze zum Gegenüber zu überschreiten, wird der Betrachter mit einem früher oder später unausweichlich auf ihn zukommenden Thema konfrontiert: sein eigenes Älterwerden. Es ist, wie sich im Titel der Arbeit Turn round bereits ankündigt, ein rückwärts gewandter, auf das eigene zurückliegende Leben gerichteter Blick. Die Künstlerin gibt auch hier die Sicht auf die alten vom Leben gezeichneten Gesichter nicht frei – sie hält den Betrachter auf Distanz.“

Barbara Auer, Heidelberg, 2010

Porträt R., 2010
Porträt R., 2010
Turn Round, Ausstellungsansicht, T66, 2014
Turn Round, Ausstellungsansicht, T66, 2014
Porträt PD., 2009
Porträt PD., 2009
Kind mit Kappe aus
Kind mit Kappe aus "kein Kinderspiel"